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Ein Outfit, das Vertrauen schafft - Stil- und Imageberatung als Wertschöpfungstool für Unternehmer

 

Richtig gewählte Kleidung und Accessoires signalisieren Kompetenz, Professionalität und Seriosität. Doch steckt der Teufel im Detail. Katrin Hermanns, Personal Stylist & Colour Consultant, hat Gabriela Friedrich in die Feinheiten perfekter Business Outfits für Frauen und Männer eingeweiht.

 

Sie ist die Expertin für den perfekten ersten Eindruck: Katrin Hermanns. Seit rund 15 Jahren berät die Imageberaterin Privatpersonen, Geschäftsleute und Firmen in Hamburg und London bei der Wahl der richtigen Kleidungsstücke, typgerechter Farben und stilsicherer Accessoires. Von der Qualität ihrer Arbeit zeugt u.a. der internationale IFIC/City and Guild Master Award in Imageberatung, der ihr 2010 von der Federation of Image Consultants (MFIPI) verliehen wurde. Dies ist die höchste Auszeichnung, die man als Imageberater erreichen kann. 

 

Der HAMBURGER UNTERNEHMER hat Katrin Hermanns getroffen und um Tipps für das richtige Businessoutfit gebeten. Ein schwieriges Thema in Zeiten, in denen doch angeblich alles geht. Immer mehr Unternehmenslenker treten bei Veranstaltungen in Jeans und Sneakers vor die Belegschaft, alteingesessene Geldinstitute verzichten auch in der Kundenberatung auf Krawatte und Anzug. 

 

Ist es eigentlich noch zeitgemäß, sich über das Outfit Gedanken zu machen? 

„Oh doch“, nickt Frau Hermanns, „denn gerade bei einem solchen Spektrum der Kleidungsmöglichkeiten können Selbst- und Fremdeinschätzung stark auseinanderlaufen. Ich mag glauben, lässig und modern zu wirken, doch mein Gegenüber empfindet meine Kleidung vielleicht als Respektlosigkeit.“ Deshalb rät sie, sich nach wie vor an dem klassischen Businessstil zu orientieren und ihn so zu adaptieren, dass er zur eigenen Persönlichkeit, dem Rahmen und dem Umfeld passt. 

 

Doch nicht jeder besitzt das feine Gespür zu erkennen, was im jeweiligen Kontext angemessen ist. Dann hilft die Expertin. Beispielsweise hat sie deutschlandweit für einen hochpreisigen Automobilhersteller die Servicekräfte am Empfang in den Niederlassungen beraten, denn sie weiß: Gerade bei Reklamation hat das Outfit der Mitarbeiterin einen großen Einfluss darauf, wie ihr der Kunde gegenübertritt. 

 

Deshalb hat sie bei den Empfangsmitarbeiterinnen folgende Regeln etabliert:

 

- gepflegte, typgerechte Frisur, über-schulterlanges Haar hochgesteckt

- dezentes Tagesmakeup

- nicht zu eng sitzende Blusen

- Röcke, die mindestens die Hälfte der Knie bedecken

- saubere Schuhe, die Standfestigkeit ermöglichen, Absätze nicht abgelaufen

- Fingernägel niemals in Knallrot, Acrylnägel nur in Nude  

 

Solch ein einfacher Dresscode gewährleistet, dass die Kleidung der Mitarbeiterinnen das wertige Image des Arbeitgebers widerspiegelt, Kundenkontakte professionell und respektvoll ablaufen und den Mitarbeiterinnen noch genug Spielraum für Individualität bleibt.

 

Doch mindestens so wichtig wie die Outfits der Mitarbeiter ist natürlich, wie sich die Chefs kleiden und welche Accessoires sie wählen, um ihre Persönlichkeit und ihre Position zu unterstreichen. Um unseren Verbandsmitgliedern konkrete Tipps geben zu können, haben wir uns gemeinsam die Titelbilder einiger Ausgaben vom Hamburger Unternehmer angeschaut und sie unter Imagegesichtspunkten analysiert.

 

Wie präsentieren sich die Familienunternehmerinnen und worauf sollten sie achten?

Grundsätzlich kopieren Frauen im Business immer weniger den männlichen Kleidungsstil mit Anzug und durchgeknöpfter Bluse, sondern wählen lieber feminine Kleidung wie weich fallende Tunikablusen, Kleider oder Röcke. Dies fällt Katrin Hermanns auch bei den Familienunternehmerinnen positiv auf. Klar, gerade, ungemustert, in einer eleganten Farbe und aus glatten Stoffen – so sieht sie die ideale Businesskleidung für Frauen. Muster, raue oder flauschige Stoffe und auch große Knöpfe gehören ihrer Ansicht nach in den Freizeitbereich und haben im Geschäftsleben nichts zu suchen. Dies gilt für beide Geschlechter. 

Bei Schmuck wie Ohrringen, Kette und Ringen empfiehlt sie, auf einen roten Faden zu achten. Wenn die Bluse weich fällt und auch die Ohrringe weiche Formen haben, wirkt beispielsweise ein kantiger Ring mit harter Formensprache dazu wie ein optischer Bruch im Gesamtkonzept. 

 

Doch bei den weiblichen Verbandsmitgliedern auf dem Magazintitel gibt es kaum etwas zu monieren. Hier hätte sich Frau Hermanns noch ein Paar Perlenohrringe gewünscht und dort ein etwas ausdrucksstärkeres Makeup. Grundsätzlich aber lobt sie das Stilgefühl der Familienunternehmerinnen.

 

Wie ist der erste Eindruck von den Familienunternehmern und worauf sollten sie achten?

Die zahlreichen Männer auf den Magazintiteln bieten da schon mehr Möglichkeiten für ein differenziertes Feedback, für Erläuterungen und Anregungen. „Dies ist ein schönes Beispiel für Smart Casual“, erklärt sie beispielsweise, „das dunkelblaue Sakko, das weiße Hemd und das weiße Einstecktuch sorgen dabei für starke Kontraste. Je größer der Farbkontrast, desto mehr wird das Auge getriggert. Und mehr Interesse steht für mehr Wichtigkeit, Kompetenz und Professionalität. Wenn Sie Powerdressing anstreben, sorgen Sie also immer für größtmögliche Kontraste im Rahmen dessen, was zu Ihrer Haut-, Haar- und Augenfarbe passt.“ Wir schauen uns einige Fotos mit schwächerem Kontrast von Jackett und Oberhemd an. Und tatsächlich – der erste Eindruck ist deutlich weniger kraftvoll. So einfach ist das? Ja!

 

Auch an Kragenformen und Schlipsknoten bleibt das geschulte Auge der Imageberaterin hängen. „Dies ist ein Button-Down-Hemd, das gehört in den Freizeitbereich“, fällt ihr auf. „Und dieser Kragen ist im Verhältnis zu Kopf und Hals des Trägers zu klein.“ Gleiches gilt für die Bindearten der Schlipse: „Wenn Sie ein großer, kräftiger Mann sind, wirken Ihre Proportionen nur mit einem großen Knoten stimmig“, erklärt sie. Bei dem einen Unternehmer fällt ihr auf, dass sein Sakko zu groß und der Ärmel zu weit ist, ein anderer trägt ein Hemd mit Karomuster – auch eher Freizeitgarderobe. Doch dann entdeckt sie ein Verbandsmitglied, das sich mit der Wahl von Kleidung, Accessoires und Körperhaltung auf dem Foto gut verkauft: „Er signalisiert Stärke, Kompetenz und einen gehobenen Stil“, kommentiert sie sichtlich angetan. „Nur der Bart dürfte gepflegter sein.“

 

Es ist wirklich schwierig, in den Augen einer so erfahrenen Farb- und Stilberaterin alles richtig zu machen, das wird mir immer klarer. Und frage deshalb lieber nicht, was sie von meiner Aufmachung hält. Stattdessen möchte ich wissen, wie eine Beratung bei ihr genau abläuft: „Egal ob Frau oder Mann – am Anfang steht die Analyse des persönlichen Farbtyps.“ Dabei geht sie nach einem System mit neun Typen vor, was mehr Differenzierungen ermöglicht als die bekannte Einteilung in Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Nach der Bestimmung der natürlichen Haut- und Haarfarben schaut sie sich die Proportionen, die Körperform und das Naturell ihrer Kunden genau an. Schließlich sollen die sich letztlich selbstbewusst, wohl und stark in den neuen Outfits fühlen und nicht verkleidet. Dann sichtet sie mit den Kunden deren Kleiderschrank, kombiniert neu, sortiert aus und überlegt, welche Ergänzungen nötig sind. „Und anschließend gehen wir zusammen shoppen“, schildert sie den Verwandlungsprozess. Dabei achtet sie darauf, dass aktuelle Trends nur insoweit Eingang in die neue Garderobe finden, wie sie der Person stehen und zum Anlass passen. Eine ihrer Lieblingsadressen für anspruchsvolle männliche Kunden ist der italienische Herrenausstatter Zegna am Neuen Wall. Zegna ist mit seinen 500 Stores und 6.500 Mitarbeitern in aller Welt die weltweit führende Marke für luxuriöse Herrenmode und – ganz zum Magazin passend – ein Familienunternehmen. Bei Bedarf erhalten die Kunden auch noch ein typgerechteres Brillengestell bzw. die Kundinnen ein neues Makeup. Dann ist endlich das neue Outfit komplett, das mit dem Äußeren und der Persönlichkeit harmoniert, die Stärken gekonnt in Szene setzt und dem Gegenüber Kompetenz und Vertrauenswürdigkeit signalisiert.