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Selbstreflexion und Kundenorientierung als Erfolgsstrategie - Interview mit Gerd Kulhavy, Vorsitzender der Geschäftsführung der Redneragentur Speakers Excelle

Situation: Als Coach, Speaker, Buchautor und Inhaber einer renommierten Redneragentur ist es Gerd Kulhavys Mission, andere Menschen erfolgreich zu machen. Wie man es an die Spitze schafft, lebt er auch vor: Nach einer sehr erfolgreichen Karriere in der Versicherungswirtschaft gründete er seine Redneragentur mit mittlerweile 36 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 6,2 Mio. Euro in 2014. Grundlage dieses Erfolges sind seine große Kundenorientierung und die ständige Bereitschaft zur schonungslos ehrlichen Selbstreflexion.     

 

GF: Erfolgreiche Menschen sind oft besonders energievoll und dynamisch. Das scheint bei Ihnen auch so zu sein. Wie gehen Sie mit Ihrer Energie um?

 

GK: Grundsätzlich bin ich sicherlich jemand mit viel Energie - ein Macher, der eher handlungsorientiert denn theoretisierend ist. „Lieber perfekt begonnen als perfekt gezögert“ ist mein Motto. Mit meiner Dynamik gelingt es mir, Menschen mitzunehmen und zu begeistern. Aber – und das ist mir deutlich bewusst – mein Tempo und mein Vorwärtsdrang haben auch Schattenseiten. Es passiert mir immer wieder, zu schnell zu sein oder nicht daran zu denken, dass andere Menschen einen anderen Energielevel haben als ich. Dann kommen sie mir faul vor, obwohl sie einfach nur gemäß ihrem Naturell agieren. Dies zu akzeptieren, musste ich lernen, auch wenn es schwer fiel. Selbst heute ertappe ich mich noch dabei, mit einer langsamen Gangart Probleme zu haben. Weil ich das weiß, suche ich mir Menschen, die mir gezielt Feedback geben, wenn ich „ins Rennen“ komme. Meist ist es meine liebe Frau Jana, die diese Rolle übernimmt und mich auf Dinge aufmerksam macht. Es kann beispielsweise passieren, dass ich bei Stress zwar konzentrierter auf meine Aufgaben werde, aber den Kontakt zu meinen Gefühlen und damit auch zu den emotionalen Bedürfnissen meiner Mitarbeiter verliere. Dann brauche ich jemanden wie Jana, der mir sagt. „Halt, stopp, nimm mal Druck und Tempo raus, du warst im Umgang mit diesem Menschen nicht mehr so höflich wie du sein solltest.“ Das hilft mir und stärkt mich;  nur wenn ich mich selbst in Frage stelle und als Konsequenz daraus mein Verhalten ändere,  wachse ich als Persönlichkeit.      

 

GF: Welche Relevanz hat Selbstreflexion für Sie?

 

GK: Höchste Relevanz. Ich habe viele Stars begleitet, die dann schlecht geworden sind, wenn sie blind gegenüber ihren Ratgebern und ihren Schwächen wurden. Ohne kritische Selbstreflexion kam oft ein Absturz. Ich denke bei solchen Menschen: Was für eine Respektlosigkeit sich und dem Leben gegenüber, wenn sich jemand nicht mehr ehrlich  hinterfragt oder hinterfragen lässt. Warum ist jemand so blind? Wenn mir etwas Negatives passiert, frage ich mich sofort, was ich gerade falsch mache. Und wenn ich mit der Sichtweise eines anderen Menschen nicht zurechtkomme, hole ich mir einen „Übersetzer“, der mir hilft, meine Perspektive zu erweitern. Ich käme nicht auf die Idee, Dritten die Schuld zuzuschieben, mich für meine Schwächen und Fehler zu verurteilen oder sie zu leugnen. Sie bringen mich schließlich voran, weshalb ich ihnen dankbar bin.

 

GF? Dankbar?


GK: Ja, es hilft mir bei meiner Entwicklung, mir auch dieser Aspekte bewusst zu sein. Es hilft mir, anderen Menschen und ihren menschlichen Schwächen gegenüber verständnisvoller zu sein und es hilft mir auch noch bei der Entwicklung von Coaching- oder Trainingskonzepten, mit denen sich typische menschliche Unzulänglichkeiten verändern lassen. Dankbarkeit ist ohnehin ein ganz wichtiger Aspekt im Leben und es ginge vielen Menschen besser, wenn sie dankbarer wären. Dankbarkeit richtet den Blick auf all das Gute in unserem Leben; man erkennt plötzlich mehr -  auch das Wunderbare in den kleinen Dingen. Das macht demütig und verhindert dadurch, sich selbst zu wichtig zu nehmen und überheblich zu werden. Deshalb beginne ich jeden Tag mit einem Dankes-
Ritual dafür, dass ich diesen Tag erleben darf und gesund bin.

 

GF: Sie sprechen davon, durch Dankbarkeit mehr wahrzunehmen. Sind Sie auch ein Mensch, der aufgrund seiner Intuition mehr wahrnimmt als andere?

GK: Die Ratio sehe ich als Diener, die Intuition als Zünglein an der Waage, wenn ich Entscheidungen treffe. Heißt: Für mich gehört beides zusammen. Wenn ich beispielsweise ein Event vorbereite, muss ich den Raum vorher betreten und mich hineinfühlen, sonst kann ich nicht richtig planen. Auch im Unternehmen oder bei der Auswahl von Mitarbeitern gehe ich oft intuitiv vor. Gleichzeitig brauche ich Fakten für meine Sicherheit. Bei Stress leidet meine Intuition allerdings. Dann reguliere ich nach und nehme mir Stress, in dem ich delegiere und mir Aus-Zeiten schaffe. So bekomme ich wieder mehr Gefühl für den Alltag und eine bessere Intuition.        

GF: Sie haben eine große, bekannte und lukrative Redneragentur aufgebaut. Was war Ihr Antrieb? Geld?  

GK: Es ging mir in meinem Leben nie nur um Geld, sondern um zwei wichtigere Dinge: Selbstbestimmung und Kundenorientierung. Schon als kleiner Junge wollte ich mir meine Wünsche selbst erfüllen können, mir kaufen können, was ich wollte. Ich wollte ein selbstbestimmtes Leben. Das habe ich erreicht. Als ich bei der Postversicherung arbeitete, verdiente ich sehr viel Geld – mehr als heute – und war damit auch komplett selbstbestimmt. Das befriedigte mich aber nicht langfristig. Ich wollte etwas mit interessanten Menschen machen, was diesen Menschen wirklich von Nutzen war. Meine Überlegungen, als ich mich selbständig machte, gingen also nicht in die Richtung, wie ich noch mehr Geld verdiene, sondern welchen Nutzen ich dem anderen bieten kann, damit er mit mir zusammenarbeitet. Derartige Fragen stelle ich mir auch heute jeden Tag:

- Wer kann meine Dienstleistung wirklich brauchen und warum?

- Warum soll ein Kunde bei mir buchen?

- Warum soll ein Referent mit mir zusammenarbeiten?

- Was wollen die anderen Menschen? Was ist ihnen etwas wert?

 

Meine ganze Unternehmung ist Kundennutzen-getrieben. Dazu gehören auch ein respektvolles Wording im Umgang mit dem Kunden und der Wunsch, immer mein Bestes zu geben. Ich glaube an das große Ganze, was für mich bedeutet, dass, wenn ich das Beste gebe, ich auch das Beste bekomme. „Wie innen, so außen“ – diesem Gesetz der Analogie aus dem Kybalion entsprachen schon viele Ereignisse in meinem Leben, weshalb ich es ernst nehme.