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Der Toilettenpapier-Run - BUDNI zwischen Hamsterkäufern und Kreideherzen

Change-Management über Nacht – vor dieser Aufgabe stand BUDNI, als zu Beginn der Corona-Krise plötzlich ein Ansturm auf Drogerieprodukte einsetzte. Wie es dem Unternehmen gelang, diese und weitere Corona-Herausforderungen zu bewältigen, erzählt Christoph Wöhlke im Telefonat mit Gabriela Friedrich.

 

Toilettenpapier, Haushaltspapier und Desinfektionsmittel – zu Beginn der Corona-Krise explodierte vielerorts die Nachfrage. Das erlebten auch die 2.000 BUDNI- Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den 180 Läden. Von einem Tag auf den anderen wollte sich plötzlich jeder Kunde großumfänglich bevorraten – doch darauf war die Drogeriemarktkette natürlich nicht eingerichtet. 

 

Wie ist es Ihnen gelungen, diese Situation zu bewältigen?

Christoph Wöhlke: In so einer Situation muss schnellst möglich eine hohe Reflexfähigkeit hergestellt werden. Dies erreicht man durch die Einbindung aller relevanten Personen, kürzeste Entscheidungswege, intensive Kommunikation an alle Mitarbeiter und letzten Endes Mut zur Entscheidung. Der Mitarbeitereinsatz, Supply Chain, Lagerstrukturen, die Kategorieverteilung, der Fuhrpark, die Regalplätze – in Summe muss alles berücksichtigt werden. Telefonkonferenzen mit geteilten Screens waren für uns dabei das Vehikel, um schnell, effektiv und dabei sicher Entscheidungen innerhalb des Krisenstabes herbeizuführen. Dieser Zwang zu einer neuen Art von Kommunikation war für uns sehr lehrreich. Nicht alles geht so, aber sehr vieles sehr effektiv.

 

Über diesen Weg haben wir innerhalb von 14 Tagen erreicht, dass wir Entwicklungen vorwegnehmen und planen konnten und nicht nur der Entwicklung hinterhergelaufen sind. In solch besonderen Zeiten zeigt sich aber auch wie wichtig verlässliche Partnerschaften sind. Egal, ob mit der EDEKA, unserer Tischlerei oder vielen anderen – ohne sie wäre es nicht gelungen.

 

Und die BUDNI-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter?

Ch. Wöhlke: So eine schwierige Zeit meistert man nur, wenn jeder mitzieht. Dazu gehört es, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verstehen, deren Probleme und Sorgen in den Filialen wahr- und ernst zu nehmen. Schließlich waren für unsere Belegschaft vor allem die ersten 14 Tage hart: Kunden im emotionalen Ausnahmezustand, deutlich mehr gelieferte Ware als sonst, die sofort in die Regale geräumt werden musste, die Sorge, sich beim Kundenkontakt mit Covid-19 zu infizieren… Transparenz und offene Kommunikation ist entscheidend. Wir haben ständig umfassend und maximal transparent informiert, Telefonkonferenzen veranstaltet, Zusatzinfos und Ausblicke auf die weitere Entwicklung und Planung gegeben. Wichtig ist uns gewesen für jeden Bereich im Unternehmen die beste Antwort zu finden.

 

Spricht man mit Verkaufskräften in Filialen, äußern diese sich durchweg positiv über die Unterstützung, die sie von der Zentrale erhalten haben. Hat sich die Corona-Zeit auch auf Ihre Kundenbeziehungen ausgewirkt?

Ch. Wöhlke: Ich würde sagen ja. Menschen spüren in einer Krise noch einmal viel deutlicher, wie man mit ihnen umgeht. Kunden haben Kreideherzen vor Geschäfte gemalt oder uns Lob über Mitarbeiterinnen übermittelt, weil diese trotz der Turbulenzen immer freundlich und hilfsbereit waren. Grundsätzlich aber sind wir ohnehin mit unseren Kunden sehr verbunden, weil wir uns nie als reiner Verkäufer von Ware verstanden haben, sondern als Teil der Nachbarschaft. Somit haben wir einen anderen Anspruch an uns und das Miteinander mit dem Kunden. Das spürt der Kunde in solchen Zeiten ganz besonders. Deshalb engagieren wir uns auch in einem Corona-Nothilfeprogramm, das die BUDNIANER HILFE und BUDNI aufgelegt haben: Seit dem 30. März läuft in allen BUDNI-Filialen eine große Spendenaktion für Menschen, die durch Corona in eine Notlage geraten sind.

 

Einander in Corona-Zeiten zu helfen – gilt das auch für Verbandsmitglieder der HAMBURGER FAMILIENUNTERNEHMER? 

Ch. Wöhlke: Wir sind sehr dankbar, dass wir in der Krise, wenn auch unter teils sehr herausfordernden Bedingungen, weiterhin geöffnet bleiben konnten. Andere Verbandsmitglieder hatten dieses Glück nicht – das ist uns bewusst. Daher sind wir von Anfang an damit beschäftigt anderen zu helfen. Auch das ist Teil unserer Kultur. Allerdings ist natürlich nicht jede Idee sinnvoll. Darum ist es wichtig, miteinander zu sprechen und Ideen schnell und unkompliziert zu diskutieren. Ich finde, jeder ist selbst gefragt sich zu überlegen, was er für andere Unternehmer tun kann.